Das träge Monster in mir.

Kennt ihr das?

Die Kinder sind voller Schwung und Elan und möchten mit mir spielen. Ich bin ein träges Monster. Ich antworte, dass ich mich erst hinsetzen muss und setze mich hin. Da sitze ich nun. Mehr nicht. Die Kinder sind dezent genervt, weil sie sich auf einen schönen Nachmittag mit mir gefreut haben.

Vor einiger Zeit ging es mir nur an solchen Tagen so, an denen ich bereits den ganzen Vormittag geschuftet hatte. Doch nach und nach gewöhne ich mich an die Sitzerei am Nachmittag. Wenn eine Freundin dabei ist, ist es noch schlimmer. Dann sitzt man auf seinem Allerwertesten und beschwert sich darüber, wie anstrengend es gerade ist, weil das Kind nun zum x-ten Mal ruft: „Schau mal, Mama! Was ich alles kann!“ Man ruft zum x-ten Mal ein „Toll!“ in Richtung Kind, seufzt und wendet sich wieder dem überaus wichtigen Gespräch mit der Freundin zu. Plötzlich fällt mir auf, dass mein Kind keine Mütze trägt. Aber ich bleibe weiter auf meinen vier Buchstaben sitzen und krakeele einfach: „Du musst noch die Mütze aufziehen, die Sonne brennt!“ Keine Reaktion vom Kind. Also noch lauter: „Du musst deine Mütze aufziehen!!“ Mein Kind antwortet: „Jaha, gleich.“  Es scheint sehr beschäftigt. Aber mein Anliegen erscheint mir von größerer Bedeutung zu sein. Ich rufe deshalb erneut. Das Kind reagiert nicht mehr darauf. Ich gehe samt Mütze entnervt zum Kind und reiche die Mütze an. Anschließend wende mich wieder meiner Freundin zu und frage: „Warum muss das Kind so anstrengend sein?“

Ist es aber gar nicht.

Oft denke ich, dass ich die meiste Zeit des Tages den Kindern widme und mir deshalb diese Pause verdiene. Bei genauerer Betrachtung erkenne ich, dass ich vormittags die Wohnung für mich gereinigt, den Garten nach meinen Wünschen verschönert und eine für mich relevante Lektüre gelesen habe. Das habe ich nicht zum Wohlergehen meiner Kinder getan, auch wenn ich mir das oft einrede. Ihnen ist es schnurz, ob sich Staub in den Zimmern türmt. Die Kinder sehen mich unter der Woche überwiegend nur am Nachmittag. Und dass sie in dieser Zeit meine volle Aufmerksamkeit brauchen und wollen, weil sie am frühen Abend schon wieder ins Bett gehen, während ich Zeit für mich und mit meinem Mann habe, erkenne ich oft gar nicht.

Also habe ich beschlossen, dieses träge Monster in mir zu verbannen und wieder mit den Kindern zu spielen. Ich sehe mich viel zu oft als langweiligen Erwachsenen überaus wichtige Themen besprechen, die im Endeffekt völlig belanglos sind.

Ist es nicht viel wichtiger die Kinder in ihrer Entwicklung zu unterstützen? Sich ehrlich und aufrichtig mit ihnen über jeden Schritt freuen? Mit ihnen gemeinsam jeden Regenwurm zu beobachten? Ihre gestellten Fragen zu beantworten oder die Antworten gemeinsam herauszufinden?

Ehrlich, da lern‘ ich noch was! Wie viel ich noch gar nicht weiß und wie spannend das Leben sein kann, merke ich immer erst dann, wenn ich mich auf meine Kinder einlasse und sie die Zügel in die Hand nehmen dürfen.

Das ist für mich keine völlig neue Erkenntnis. Ich wusste das alles schon zuvor und so haben wir auch lange gemeinsam gelebt. Aber nach und nach kam dieses träge Monster in mir zum Vorschein und wenn ich es genauer betrachte, mag ich es nicht. Es ist faul, lustlos und gänzlich unbrauchbar. Es muss also gehen! Hinweg mit dir du teilnahmsloses Ungeheuer und ich, ich gehe wieder ein wenig zurück zum Kind in mir. Und freue mich gemeinsam mit meinen Kindern über jede Blume.

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2 Kommentare zu „Das träge Monster in mir.

  1. Schön gesagt! Dieses Gefühl kenne ich auch zu gut (leider genau jetzt, wenn ich hier sitze und lese, und das Kind mit mir Hubschrauber spielen will). Allerdings habe ich eigentlich nur sehr wenig Raum, in dem ich was für mich tue. Vormittags arbeite ich (okay, das ist ein wenig auch für mich) und danach ist der ganze Nachmittag für’s Kind, das leider immer später und später ins Bett geht.

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